April /

08

/ 2021

article

Aufmerksamkeitstraining, Unterrichtsauffälligkeiten, Aufmerksamkeitsstörung, Aufmerksamkeitsdefizit,

Aufmerksamkeit im Klassenunterricht schulen

Pereira, A., Miranda, S., Teixeira, Mesquita, Zanatta, C., & Rosário, P.

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Lernerfolg in der Schule hängt nicht nur von inhaltlichen Lernvoraussetzungen (z. B. dem Vorwissen), sondern auch vom Erwerb motivationaler und aufmerksamkeitsbezogener Fähigkeiten ab. Dazu zählen Selbststeuerung und Aufmerksamkeitskontrolle, über deren Aneignung jedoch nur wenig bekannt ist. Infolgedessen untersuchten Pereira und Kollegen (2021) Möglichkeiten zur Förderung von Selbststeuerung und selektiver Aufmerksamkeit. Dabei wollten sie die Wirksamkeit eines speziellen Programmes erproben und den Effekt auf das Rechnen (Textaufgaben) prüfen.

Die Kinder der vorliegenden Studie wurden in einem zweistufigen Verfahren rekrutiert; Zunächst wurden alle Schulen der Stadt auf die Teilnahme angesprochen. 52 Schulklassen (vierte Jahrgangstufe) aus öffentlichen Schulklassen (99 %) erklärten sich zur Teilnahme bereit. Aus dieser Stichprobe wurde per Zufall eine Experimental- und eine Kontrollgruppe mit je 68 Schulkindern gebildet (Altersspanne 8 bis 11 Jahre; vierte Klasse). Das Förderprogramm war im Rahmen eines Projektes „Lernen zu lernen“ von der Stadtverwaltung und den Forschern ausgearbeitet worden.

Die Förderung sollte Selbstregulation fördern und Lernstrategien vermitteln sowie Teamlernen und Problemlösen verbessern. Dazu wurde den Schulkindern die Vorstellung nahegebracht, dass Planen, Ausführung und Prüfung wichtige Eckpunkte beim Lernen sind. Eine Sitzung dauerte jeweils 60 Minuten. In wiederkehrender Abfolge wurden 17 Kapitel bearbeitet, in denen das Konzept von Planen, Ausführung und Prüfen anhand von verschiedenen Anwendungsbeispielen erläutert wurde. Nach dem Lesen sollten die Schulkinder das Gelesene in einer gelenkten Diskussion vertiefen und auf die eigene Situation übertragen (Wir lautetet das Konzept? Wie kannst Du es umsetzen? Wann, wo und warum kannst Du es anwenden?). Beim Märchen „die drei kleinen Schweinchen“ sollten die Schulkinder beispielsweise den Inhalt diskutieren, erörtern, wie sie Ablenkungen vermeiden können und ihre Strategien analysieren. Am Ende jeder Fördereinheit sollten sie ihre Erkenntnisse zusammenfassen und zu einer „take home message“ verdichten sowie auf ein Anwendungsbeispiel übertragen (z. B. einen Ausflug planen). Die Förderung in der Experimentalgruppe fand in den regulären Unterrichtsstunden statt. Sie wurde von einem geschulten Trainer und der Klassenlehrperson durchgeführt, (eine Unterrichtsstunde pro Woche über insgesamt 17 Sitzungen), die Kontrollgruppe erhielt statt der Förderung regulären Unterricht.

Die Daten wurden vor und nach der Förderung in allen beteiligten Klassen gleich erhoben. Dabei standen neuropsychologische Maße für Arbeitsgedächtnis, Sprachvermögen, Aufmerksamkeitsfähigkeit, exekutive Funktionen sowie rechnerische Fähigkeiten bei Textaufgaben im Vordergrund. Diese Testungen wurden einzeln und anhand von standardisierten Verfahren durchgeführt.
Im Ergebnis verbesserten sich beide Gruppen. Also auch die Gruppe ohne direkte Förderung, was wohl auf die Beschulung zurückzuführen ist. Die Fördergruppe machte jedoch deutlichere Fortschritte und unterschied sich signifikant in ihrem Fortschritt von der Kontrollgruppe. Sie verbesserte im Gegensatz zur Kontrollgruppe auch ihre rechnerischen Fertigkeiten. Alle Vergleiche fallen zugunsten der Fördergruppe aus. Sie verhalten sich am Ende deutlich „reifer“ als es ihr Lebensalter erwarten ließ (Vorsprung von etwa 3 Jahren).

Kommentar
Es handelt sich um eine sorgfältig kontrollierte Intervention, die im Klassenunterricht stattfand. Über die Laufzeit von 17 Wochen konnten recht ansehnliche Fortschritte durch die Förderung erreicht werden. Man muss aber auch hinzufügen, dass sich die Kontrollgruppe in ihrer Selbststeuerung, ihren exekutiven Funktionen und selektiven Aufmerksamkeit verbesserte, was wahrscheinlich dem fortlaufenden Unterricht zuzuschreiben ist. Die Fördergruppe ist jedoch am Ende ein allen Maßen deutlich überlegen, was den spezifischen Vorteil der Förderung belegt. Erfreulich ist, dass die Intervention im Klassenverband stattfand und sich in diesem Kontext als tauglich erweist.

Literatur
Pereira, A., Miranda, S., Teixeira, S., Mesquita, S., Zanatta, C., & Rosário, P. (2021). Promote Selective Attention in 4th-Grade Students: Lessons Learned from a School-Based Intervention on Self-Regulation. Children, 8(3), 182.