Oktober /

02

/ 2020

article

Lerntherapie, Covid-19,

Lerntherapie für die Welt

Aster, M., Kaufmann, L., Corvacho del Toro, I., Fischer, U., Kucian, K., Lipka, Lorenz, H.L., Löffler, C., Nolte, M. & Schulte-Körne, G.

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Von Aster, Kaufmann, Corvacho del Toro, Fischer und andere (2020) befassen sich in einem Editorial unter dem programmatischen Titel „Lerntherapie für die Welt“ mit den Folgen von Covid-19 für das Lernen und das Bildungssystem. Es handelt sich um die Einführung in ein Themenheft, mithin um einen Meinungsbeitrag, der Zustände charakterisieren und Zukunft skizzieren möchte. Die Autoren führen aus, dass das Virus Fragen an das Bildungssystem und dessen Neuausrichtung aufwirft, auf die die Antworten noch ausstehen.

Die ergriffenen Maßnahmen (Schulschließung, Teilunterricht, Homeschooling, digitales Lernen) funktionierten bei leistungsstarken Kindern und solchen aus bildungsnahen Schichten besser. Manche könnten sogar profitieren. In der Analyse der Autoren erweist sich das Bildungssystem aber als antiquiert und anfällig. Sie plädieren dafür, die erkannten Schwächen für die Veränderung zu nutzen:

• mehr und besser ausgebildete Lehr- und Erziehungskräfte,
• eine bessere Verfügbarkeit und Vertrautheit mit digitalen Unterrichts- und Kommunikationsmethoden,
• mehr Räumlichkeit und geeignete Infrastruktur für Teilungs- und Fraktionierungsstrategien,
• mehr Betreuung und Beschulung in Kleingruppen für die Jüngeren vor Ort,
• effektiveres Homeschooling für die Älteren.

Unter Bezugnahme auf entwicklungspsychologische und neurologische Erkenntnisse fordern die Autoren differenzierte Maßnahmen: Besonders die jüngeren Schulkinder sollten gefördert werden, weil deren Lernfortschritte wieder verloren gehen, wenn sie nicht mehr im täglichen Gebrauch gefestigt werden. Bei den Älteren seien diese Strukturen hingegen stabiler, Verlust sei weniger zu befürchten, jedoch verlangsamter Fortschritt.

Kommentar:
Das Editorial stimmt mit zahlreichen Analysen überein, auf die im Text verwiesen wird. Sie sehen das Bildungssystem einem „Crashtest“ unterworfen, der die bestehenden Schwächen schonungslos offenlegt. In erster Linie kommt es aber weniger auf die Schwächen, sondern die Stärkung an. Dazu werden Vorschläge gemacht, die sich aus wissenschaftlichen Erkenntnissen herleiten.

von Aster, M., Kaufmann, L., Corvacho del Toro, I., Fischer, U., Kucian, K., Lipka, M., Lorenz, H.L., Löffler, C., Nolte, M. & Schulte-Körne, G. (2020). Lerntherapie für die Welt. Lernen und Lernstörungen, 9(3), 149-150.